„Was wenn doch…“ Dieses Zitat aus einem Song des genialen Klavierkabarettisten Bodo Wartke klebt auf meinem Laptop. Es soll mich täglich daran erinnern, dass man seine Träume nicht aufgeben sollte, bloß, weil sie sich nicht realisieren lassen könnten.
Wartke träumt in seinem Lied von einer Welt, in der jeder tut, was er liebt – auch beruflich. Die Menschen wären dann nicht nur glücklich, sondern auch produktiv, so ist er überzeugt:
Wir alle würden einen Beruf ausüben
Den wir wirklich gern tun und von ganzen Herzen lieben
Die gute Laune würde steigen ganz egal wohin man guckt
Und ganz nebenbei auch das Bruttosozialprodukt
Und wie schön ist es wenn man bei einem Menschen erkennt
Er brennt für was er tut und ist in seinem Element
Und wie schön ist es sich mit solchen Menschen zu umgeben
Die für das was sie tun leben
Ich glaube, dass ist echt das Schönste was es gibt
Wenn man das was man tut, leidenschaftlich liebt
Man tut damit sich nicht nur selbst einen Gefallen
Sondern, letzten Endes, allen
Jeder von uns hat etwas, das ihn inspiriert, etwas, das er gerne tut, ohne auf die Uhr zu schauen. Doch aus irgendeinem Grund machen die wenigsten diese Berufung zu ihrem Beruf. Wir lernen: „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“. Dagegen singt Bodo Wartke an:
Erst die Arbeit dann das Vergnügen
Diesem Dogma bräuchten wir uns nicht mehr fügen
Denn das Vergnügen fänge ja dann
Für uns direkt schon bei der Arbeit an
Genau deshalb arbeite ich so gern mit Wissenschaftler:innen und Technologieentwicklern zusammen – Menschen, die spürbar für das brennen, was sie tun. Bei ihnen erlebe ich diese Leidenschaft, diesen besonderen Funken, der ihre Augen leuchten lässt, wenn sie über ihre Arbeit sprechen. Ihre Begeisterung ist ansteckend und inspirierend, denn sie forschen und entwickeln nicht nur für das nächste Paper oder Förderprojekt, sondern weil sie ein Ziel vor Augen haben und tief in ihrem Inneren an den Sinn dessen glauben, was sie tun.
Dabei entstehen wissenschaftliche Erkenntnisse selten ohne Zweifel. Zweifel sind der Kern der wissenschaftlichen Methode: Jeder Hypothese liegt die Möglichkeit des Irrtums zugrunde. Auch wenn Zweifel oft als Hindernis wahrgenommen werden, sind sie ein entscheidender Motor für die Forschung. Ohne Zweifel würden Wissenschaftler nicht nach alternativen Erklärungen suchen oder Theorien immer wieder auf den Prüfstand stellen. „Was, wenn doch?“ ist die Frage, die zu völlig neuen Dankansätzen und so manchmal zu bahnbrechenden Entdeckungen führt.
Ingenieure und Entwickler fragen sich ständig: „Wird das funktionieren?“, „Können wir die Sicherheit garantieren?“, „Sind die Auswirkungen auf die Umwelt vertretbar?“ Diese Fragen sind wichtig, aber sie können auch zu einer lähmenden Technologie- und Wissenschaftsskepsis führen, bei der Innovationen aus Sorge um die Folgen nicht weiter verfolgt werden.
Die Kunst besteht darin, die Balance zu halten. Zu viel Zweifel kann lähmen; zu wenig Zweifel führt möglicherweise in die falsche Richtung. Eine wichtige Rolle spielt hier die Vermittlung von Vertrauen. Vertrauen in die Wissenschaft und die Wissenschaftler:innen einerseits und in die gesellschaftlichen Strukturen, die helfen, Unsicherheiten zu bewerten und zu bewältigen, andererseits. Vertrauen und Zweifel sind keine Gegensätze – sie ergänzen sich. An dieser Schnittstelle sehe ich meine Aufgaben als Kommunikatorin angesiedelt.
Die Nähe zu Menschen, die Wissenschaft und Innovationen vorantreiben, gibt meiner eigenen Arbeit eine besondere Energie und Bedeutung. Wenn sich wissenschaftliche Expertise mit echter Begeisterung paart, entstehen Ideen und Lösungen, die unsere Welt bereichern und verändern können. Es ist ein Geschenk, sich täglich mit Menschen zu umgeben, die für ihre Arbeit brennen – und die mir immer wieder zeigen, wie wertvoll es ist, den eigenen Leidenschaften zu folgen. So, wie auch ich es getan habe, als ich mich mit Hellwage Kommunikation selbständig gemacht habe. Kann sein, dass es nicht klappt mit meinem eigenen Business. Aber was wenn doch?
Der Song von Bodo Wartke zum Anschauen und -hören: https://www.youtube.com/watch?v=rRy_Fhr6j2Y